Allgemein verbinden wir mit Hypnose stets einen Prozess, an dem zwei Menschen teilhaben. Einer, der mit sonorer Stimme vor sich hin brabbelt und einer, der mit flatternden Augenlidern auf einer Pritsche liegt und fast abhebt.

Dabei ist die „selbst-induzierte Trance“ (das ist altklug für „Selbsthypnose“) schon sehr viel älter als das zuvor beschriebene Stereotyp. Der Mensch versetzt sich (auch ganz ohne irgendwelche Substanzen) schon deutlich länger selbst in Trance, als es Hypnose-Ausbildungen und Show-Hypnotiseure gibt. Zeit also, sich einmal etwas näher mit der Selbsthypnose zu befassen.

Zuerst einmal sollten wir festhalten, dass jede Hypnose letztlich Selbsthypnose ist. Denn die eigentliche Trance wird immer vom Hypnotee (also dem, der hypnotisiert wird) erzeugt. Der Hypnotiseur dient im besten Fall als „Vorturner“ oder „Reiseleiter“. Es stecken also keine irgendwie gearteten magischen Kräfte in uns als Hypnotiseur, sondern wir verhelfen dem Klienten durch Anleitung und Führung dazu, sich selbst in Trance zu versetzen. Merke: JEDE Hypnose ist unterm Strich Selbsthypnose.

Auch wenn es dafür neben „Selbsthypnose“ noch viele andere Namen wie „Autogenes Training“ oder „Traumreisen“ gibt – letzten Endes handelt es sich immer um das Gleiche. Ziel ist es, den Körper und den Geist so weit zu entspannen, dass wir leicht Zugriff auf das Unbewusste erhalten. Oder sollte ich besser schreiben: das Unbewusste erhält besser Zugang zu uns? Meiner Meinung nach wäre es so herum korrekter formuliert…

So wie jeder Mensch hypnotisierbar ist (ich bin bereits in diesem Artikel darauf eingegangen…), so kann auch jeder Mensch Selbsthypnose erlernen. Dem Einen mag es leichter fallen, dem Anderen schwerer. Doch die Grundbegabung steckt in jedem Menschen, der nicht grade an bestimmten neurologischen Erkrankungen leidet (so jemand wäre aber ohnehin nicht in der Lage, das hier zu lesen).

 

Keine Angst vor der Trance!

Trance-Zustände sind alltäglich und neurologische Untersuchungen haben ergeben, dass sich unser Gehirn ganz von alleine, oft ohne dass wir es überhaupt mitbekommen, alle 60 bis 90 Minuten einen kurzen Augenblick lang in Trance versetzt. Im EEG können wir die Trance-typischen Wellenformen sehen, auch wenn wir noch nicht abschließend geklärt haben, wozu diese Funktion dient.

Auch vom Joggen, vom Autofahren, dem Bügeln oder vom Sex kennen wir autoinduzierte Trancezustände. Zugegebenermaßen ist beim Sex oft auch jemand anderes beteiligt, doch Du verstehst sicher, worauf ich hinaus möchte…

Trance ist natürlich, Trance ist alltäglich und Trance ist jedem möglich. Somit kann also auch Selbsthypnose von jedem und jeder gelernt werden.

 

Die Vorbereitung

Natürlich sollte man sich dazu einen ruhigen Ort suchen und weder am Straßenverkehr teilnehmen, noch schwere Maschinen bedienen. Persönlich kann ich mich selbst am besten auf einem Stuhl sitzend oder flach auf dem Boden liegend in Trance bringen. Ein gemütliches Sofa oder gar ein Bett bergen bei mir zu sehr die Gefahr, dass ich dabei einschlafe.

Prinzipiell gibt es drei Methoden um sich selbst in Trance zu versetzen:

 

Progressive Muskel-Relaxation

Hier ist ganz besonders die „Progressive Muskel-Relaxation nach Jacobson“ oder kurz „PMR“ bekannt. Dabei geht es darum, ein Körperteil nach dem anderen, Muskel für Muskel ganz bewusst so sehr zu entspannen, wie es nur möglich ist. Diese Methode ist sehr Körpernah und eignet sich besonders für Menschen, die schon beim leisesten Anflug „esoterisch angehauchter Methoden“ Akne bekommen. Die Muskeln zu entspannen ist eine Aufforderung, der selbst der eingefleischteste Empiriker sicher gerne nachkommen wird…

 

Blick-Fixation

Dabei behält man die Augen zumindest einen kleinen Spalt weit offen und fokussiert den Blick auf eine ganz bestimmte Stelle. Auch wenn sich der Blick schon fast instinktiv auf etwas Anderes richten möchte, so lässt man ihn doch starr auf den ausgesuchten Punkt ruhen. Zunächst mag das ein wenig anstrengend sein, doch schon bald verengt sich das Sichtfeld auf diesen einen Punkt und alles Andere drum herum scheint zu verschwimmen. Allmählich macht sich Entspannung in den Augen, im ganzen Körper und auch im Geist breit.

Jeder, der schon einmal beim Blick in ein Lagerfeuer mental davon gezogen ist, kennt diese Methode eine Trance selbst zu induzieren sehr genau.

Diese Methode wird auch in der klassischen Sitzmeditation des Zen genutzt, dem Zazen. Allerdings passt sie nicht in die Vorstellung vieler Menschen von Meditation oder gar Hypnose, da sie erwarten, die Augen zu schließen, und dies unter Umständen auch tatsächlich besser umsetzen können.

 

Visuelle Imagination

Bei dieser dritten Methode stellt man sich mit geschlossenen Augen ein bestimmtes Bild vor und konzentriert sich mehr und mehr nur auf dieses eine Objekt.

Im Hinduismus oder in klassischen Texten des Yoga wird oft davon gesprochen, sich eine Kerzenflamme vorzustellen, die über einer Lotusblüte brennt, welche wiederum über einer endlosen Wasserebene schwebt. Mag sein, dass dieses Bild eine tiefere Bedeutung hat, mag aber auch nur sein, dass der Urheber dieses Bildes im Rausch Ayurvedischer Pflanzen diese besonders hübsche Vision hatte. Auf jeden Fall ist es vollkommen egal, welches Bild Du Dir vor Deinem geistigen Auge malst.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn es ein entspannendes, ruhiges Bild ist, welches möglichst wenig Emotionen in Dir verursacht (weder positive noch negative), aber Du kannst Dir ebenso gut auch ein Gänseblümchen in einer lauen Sommerbrise an einem Seeufer in den Alpen vorstellen.

Wichtig ist: konzentriere Dich nur auf dieses Bild! Fokussiere all Deine Gedanken nur darauf und bleibe mit aller Kraft bei diesem einen Bild – auch wenn die Gedanken abzuschweifen versuchen! Ebenso wie bei der Blick-Fixation wird schnell ein Punkt kommen, an dem Deine „wilden Gedanken“ nachlassen und es plötzlich ganz leicht wird.

 

Und dann kommt die Trance…

Gleich, welche Methode Du wählst – zu Beginn kann es anstrengend oder gar schwer sein, sich auf die Übung zu konzentrieren. Das Ganze wird sich unter Umständen bis zu einem wahren inneren Kampf steigern, bei welchem Du viel Kraft aufbringen musst, um die Oberhand zu behalten. Doch plötzlich ist es, als würdest Du davon driften und alles wird ganz easy. Mit einem Mal fällt es total leicht sich auf die Übung zu konzentrieren. Alles andere verschwimmt, verblasst, wird leise. Die Gedanken sind ganz klar und dennoch irgendwie ganz anders. Nun ja, mein Freund… Das nennt man „Trance“.

 

Noch ein paar Gedanken zu den Rahmenbedingungen…

Je nach Quelle bekommt man andere Angaben und so kann ich Dir auch hier nur meine eigenen Erfahrungen, bzw. die meiner Klienten nennen.

Welche Methode bei Dir persönlich am besten funktioniert, lässt sich pauschal nicht sagen. Du solltest einfach alle drei Methoden einmal ausprobieren und dann findest Du sicher schnell selbst heraus, was am besten zu Dir passt.

Es gibt Fachleute, die gedämpftes Licht und leise Hintergrundgeräusche oder gar entspannende Musik empfehlen. Andere raten davon eher ab, weil dies von der Übung ablenken könnte oder zum Einschlafen verleitet. Doch auch das ist persönliche Geschmackssache und von der eigenen Veranlagung abhängig. Mein „Richtig“ muss nicht auch Deines sein. Experimentiere also ein wenig und probiere aus. Dann wirst Du schon feststellen, welche Rahmenbedingungen für Dich optimal sind.

 

Du möchtest es mal ausprobieren?

Klasse. Denn dann habe ich zum Abschluss hier noch zwei tolle Links für Dich!

Auf meiner Website habe ich zwei vollkommen kostenlose Audiotrancen für Dich. Zwar handelt es sich bei aufgezeichneten, geführten Trancen noch einmal um ein Mittelding zwischen Selbsthypnose und die individuelle Begleitung durch einen Hypnotiseur, doch um das Ganze erst einmal auszuprobieren, sich Anregungen zu holen und mit Trance zu experimentieren, sind diese beiden Gratis-Downloads ideal!

Hier gibt es „Der magische Kubus“, den ich Dir zum Einstieg und zum Kennenlernen empfehle…

Und hier bekommst Du „Zum Traumjob in Trance“, welche eher einem bestimmten Zweck dient…

Ich wünsche Dir viel Spaß damit und mit Deinen Selbsthypnose-Erfahrungen!

Alles Gute! Love and Peace,

Stefan

 

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