In diesem Artikel möchte ich Dir einen wunderbaren Text von dem unvergleichlichen Alan Watts übersetzen, in welchem er uns den Schlüssel zur Meditation überreicht. Denn viele Menschen finden Meditation genau deshalb so schwer, weil es ihnen nicht gelingt, die Gedanken anzuhalten und den Geist zur Ruhe zu bringen.

Ich habe versucht, mich möglichst an das Original zu halten. Doch hier und dort musste ich der Form oder des Verständnis halber etwas freier übersetzen. Deshalb habe ich Dir ein sehr schönes Video zu seinen ursprünglich englischen Ausführungen angefügt und darunter auch noch das Transkript im Original.

Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg bei der Umsetzung!

 

Alan Watts – Der Geist

„Lasst uns zuerst überlegen, was ein Teufelskreis ist, ein Geist, gefangen von sich selbst. Nun einer der offensichtlichsten Fälle, die wir alle kennen, ist das Phänomen der Sorge. Der Arzt sagt Dir, dass Du eine Operation brauchst. Bei solch einer Nachricht ist es nur natürlich, dass man sich Sorgen macht. Doch die Sorgen rauben Dir den Appetit und den Schlaf – und das ist nicht gut für Dich.

Doch Du kannst nicht aufhören Dich zu sorgen und deshalb kommen zusätzliche Sorgen darüber, dass Du Dir Sorgen machst und das nicht gut für Dich ist. Und so weiter. Es ist absurd und Du ärgerst Dich über Dich selbst, weil Du nicht aufhören kannst Dich zu sorgen. Schließlich bist Du besorgt, weil du dir Sorgen machst, weil du dir Sorgen machst, weil Du Dir Sorgen machst…

Das ist ein Teufelskreis.

Können wir unserem Geist überhaupt erlauben, ruhig zu sein? Ist es nicht schwer, weil der Geist wie ein Affe zu sein scheint, der auf und ab springt und Salti schlägt? Sobald wir erst einmal gelernt haben zu denken, können wir nicht mehr damit aufhören. Und eine enorme Anzahl von Menschen widmet ihr gesamtes Leben dem Versuch, geistiges Schweigen zu vermeiden und den Gedankenstrom weiter und weiter laufen zu lassen. Wenn Du allein bist, dann sagt niemand etwas. Es gibt nichts zu tun. Nur diese Angst vor einem Mangel an Ablenkung. Ich bin mit mir allein, und ich will weg von mir. Deshalb gehe ich ins Kino, deshalb gehe ich ins Café, deshalb renne ich den Frauen hinterher, deshalb betrinke ich mich oder was auch immer. Ich will nicht bei mir und mit mir alleine sein. Ich fühle mich seltsam…

Nun gut. Doch warum will ich überhaupt vor mir weglaufen? Was ist so schlimm an mir? Warum will ich mich selbst vergessen? Oder mich erst überhaupt nicht kennenlernen? – Weil wir alle süchtig nach Gedanken sind. Gedanken sind eine Droge – eine sehr gefährliche dazu. Zwanghaftes Denken, immer weiter und weiter und weiter. Es ist eine Gewohnheit von der wir abhängig geworden sind.

Es ist also extrem schwierig, diese Aktivität zu stoppen. Und Du musst diesen Teufelskreis durchbrechen, wenn du gesund sein willst. Denn wenn ich die ganze Zeit rede, höre ich nicht was sonst noch jemand sagt. Ich bekomme keine Rückmeldung, keine andere Perspektive und keinen frischen Input. Und schließlich werde ich über nichts mehr reden können, als über mein eigenes Reden. Und ebenso kann ich über nichts anderes nachdenken, als über meine eigenen Gedanken, wenn ich nicht auch einmal aufhöre zu denken. Um also echte, wahre und wertvolle Gedanken haben zu können, muss ich auch Zeiten haben, in denen ich nicht denke.

Doch wie stellt man das nun an?

Die wichtigste Regel ist diese: Versuche es erst gar nicht! Denn wenn man versucht, die eigenen Gedanken zum Stillstand zu bringen, dann ist man wie jemand der versucht, einen wilden Fluss mit einem Bügeleisen zu glätten. Alles, was das überhaupt bringen kann, ist dass das Wasser noch mehr in Bewegung gebracht wird. Doch so, wie sich trübes, aufgewühltes Wasser mit der Zeit beruhigt und absetzt, wenn man es nur eine Weile in Ruhe lässt, so macht es auch Dein Geist. Lass die Gedanken einfach ziehen, und der Geist beruhigt sich langsam von alleine.“

 

Hier das Video von “Tragedy and Hope”

Hier findest Du den YouTube-Kanal von “Tragedy and Hope”…

 

Und hier der Text eins zu eins auf Englisch:

„So then let’s consider first of all what is a mind in the grip a vicious circles. Well one of the most obvious instances that we all know is the phenomenon of worry. The doctor tells you that you have to have an operation. And that has been set up so that automatically everybody worries about it. But since worrying takes away your appetite and your sleep it’s not good for you.

But you can’t stop worrying and therefore you get additionally worried that you are worrying. And then furthermore because that is quite absurd and your mad at yourself because you do it, you are worried because you worry because you worry…

That is a vicious circle.

So now, can you allow your mind to be quiet? Isn’t it difficult? Because the mind seems to be like a monkey, jumping up and down and jabbering all the time. Once you’ve learned to think you can’t stop. And an enormous number of people devote their lives to keeping their minds busy and feel extremely uncomfortable with silence. When you’re alone nobody’s saying anything, there’s nothing to do just this worrying, this lack of distraction. I’m left alone with myself and I wanna get away from myself

I always want to get away myself. That’s why I go to the movies, that’s why I go to the biscuit stores, that’s why I go after the girls or anything or get drunk or whatever. I don’t want to be with myself. I feel queer.

So well why do you wanna run away from yourself? What’s so bad about it? Why do you want to forget this? Why do you want to become yourself? Because you are addicted to thoughts. This is a drug, too dangerous one. Compulsive thinking, on and on and on and on all the time. It’s a habit.

So there’s a difficulty about stopping that activity. And you really have to stop it if you want to be sane. Because if I talk all the time I don’t hear what anyone else has to say. And I’ll end up in the situation of having nothing to talk about but my own talking. And so exactly the same way if I think all the time I won’t have anything to think about except thoughts. So in order to have something to think about, there are times when you simply must stop thinking.

Well, how do you do that?

The first rule is don’t try to. Because if you do, you will be like someone trying to make rough water smooth with a flatiron. And all that will do will stir it up. So in the same way as a muddy turbulent pool quiets itself when left alone, you have to know how to leave your mind alone. It will quiet itself.“

 

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